Die Schufa, bin ich jetzt ein Mensch 2. Klasse!?

Ganz klares Jain!

Die Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung), ist in Deutschland nach wie vor die unumstritten wichtigste Institution, zur Feststellung der Bonität (Zahlungsfähigkeit) eines in Deutschland lebenden Menschen. Jeder Vertrag, der auch nur ansatzweise regelmäßige Zahlungen beinhaltet, wird hier erfasst und zwar bis zum „Abschluss“! Anhand einiger Eckdaten bewertet die Schufa dafür grob jeden Menschen anhand eines sog. „Score“, der von 0 – 100 reicht.

Der große Fallstrick liegt für uns Insolvente darin, dass ein jeder potentieller Vertragspartner die Bonität hier abfragt, und zwar bspw. wenn wir

  • Ein Girokonto eröffnen.
  • Eine Kreditkarte beantragen.
  • Konditionen für einen Kredit anfragen (Informationen werden als Nachweis für die betreffende Person gespeichert, aber nicht an Dritte weitergegeben).
  • Einen Kredit aufnehmen.
  • Einen Handyvertrag abschließen.
  • Ein Fahrzeug finanzieren.
  • Den Stromanbieter wechseln (die Anfrage des neuen Anbieter wird als Nachweis für die betreffende Person gespeichert, aber nicht an Dritte weitergegeben).
  • Ratenzahlung für einen größeren Kauf vereinbaren (z.B. bei einem Möbelhaus oder Elektromarkt).

Hierbei werden ganz oft die Anfrage und auch die darauffolgende positive oder negative Antwort bereits gespeichert.
Diese „Daten“ werden erst nach gewisser Zeit wieder gelöscht:

Art der Information Löschfrist
Informationen über Kredite 3 Jahre nach Rückzahlung
Kreditanfragen 12 Monate nach der Anfrage
Anfragen von Kreditkonditionen (nicht für Dritte sichtbar) 12 Monate nach der Anfrage
Informationen über Giro- und Kreditkartenkonten Nach Auflösung des Kontos
Anfragen von Unternehmen Spätestens 12 Monate nach der Anfrage, Weitergabe an Vertragspartner nur 10 Tage nach der Anfrage
Informationen über nicht vertragsgemäßes Verhalten (z. B. Zahlungsverzug) 3 volle Kalenderjahre zum 31.12., bei unerledigten Sachverhalten zum Ende des 4. Kalenderjahres. Bei titulierten Forderungen können Daten länger gespeichert werden.
Daten aus Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte 3 Jahre. Vorzeitige Löschung bei Nachweis der Löschung durch das Amtsgericht.
Kundenkonten bei Händlern 3 Jahre
Bürgschaften Nach Tilgung der Hauptschuld
Unstrittig falsche Angaben Jederzeit
Eintragung zur Restschuldbefreieung 3 volle Kalenderjahre zum 31.12. (RSB am 21.01.2017 erteilt -> Löschung am 31.12.2020 / RSB am 30.12.2017 -> Löschung ebenfalls am 31.12.2020)

Der Eintrag nach Eröffnung einer Verbraucherinsolvenz sieht dann für den Vertragspartner sichtbar so aus:
„Restschuldbefreiung angekündigt // Aktenzeichen 3XXXX-012345XXX6789 // Datum des Ereignisses 31.12.2014“

Der Eintrag ab Beginn der Wohlverhaltensphase dann so:
„Insolvenzverfahren aufgehoben // Aktenzeichen 3XXXX-012345XXX6789 // Datum des Ereignisses 01.02.2017“

Mein Score liegt seit dem bei „5“…

Keine Frage, dass nahezu alles, was eine Schufa-Abfrage nach sich zieht, eine negative Antwort erwarten lässt.
Dramatisch ist dies vor allem für den immer weniger werdenden „bezahlbaren Wohnraum“ in Deutschland! Gibt es doch kaum noch einen Vermieter, der ohne Schufa-Auskunft auch nur mit einem potentiellen Mieter spricht! Hier empfehele ich immer eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung beim alten Vermieter bestätigen zu lassen. Der einzige Nachweis, dass man vielleicht Fehler gemacht hat, aber seine Miete immer pünktlich und in vollem Umfang gezahlt hat! Gerade für unschuldig in diese Falle geratene Betroffene, ist dies immer wieder ein riesen Problem. Hier sehe ich unter anderem unseren Gesetzgeber in der Pflicht, diese „Abwertung“ in diesen Bereich der Lebensgrundlage reichen zu lassen. Hier müssen andere Nachweismöglichkeiten geschaffen werden, um dieses Thema hiervon abzukoppeln!

Ähnlich verhält es sich im Bereich Energieversorger. Auch hier sind viele Sparmaßnahmen aussichtslos, da der neue Vetragspartner ebenfalls eine Schufa Auskunft einholen wird. Aus meiner Sicht ebenfalls eine in vielen Fällen fehlinterpretierte Situation, denn gerade diejenigen, welche auf die günstigsten Tarife angewiesen sind, können nicht vom „Markt“ profitieren, sondern werden hier in teilweise maßlos überteuerte „Grundversorgungsverträge“ gedrängt! Ich habe meine Erfahrungen hierzu bereits in diesem Beitrag geschildert.

Um auf die Frage nach der Klasse zurückzukommen…

Ja! Aus Sicht eines potentiellen Vertragspartners und einer „Maschine“ die nur Scores bewertet, ist man Mensch (Datenquelle) zweiter Klasse!

Nein! Wenn man sich „unsere“ Situation mal genauer anschaut, sind die Finanzen oft besser organisiert und vor allem überwacht, als die der (noch) „Unbedarften“!
Nur das weiß eine Maschine heute (noch) nicht!

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