Restschuldbefreiung nach 3 Jahren in der Praxis, jetzt wird’s ernst!

Restschuldbefreiung nach 3 Jahren

Wie ich im Sommer 2017 bereits geschrieben habe, hatte mein VW (Vermögensverwalter) berechnet, dass ich – bei einer wahrscheinlich geringen Zuzahlung – am 31.12.2017 die erforderliche Quote von 35% , gemäß $3 Abs 2 Inso erfüllen könnte. Zur Erinnerung, diese Quote errechnet sich wie folgt: Summiert den  Betrag der Gesamt-Verbindlichkeiten (also den eigentlichen Insolvenzbetrag, bei mir etwa 56.000 Euro) + die Kosten des VW (bei mir, siehe Schreiben unten…) + die Gerichtskosten (bekommt ihr vom Insolvenzgericht oder vom VW). Von dieser Gesamtsumme müsst ihr nach spätestens 36 Monaten ab Verfahrenseröffnung, 35% zurückgezahlt haben. Dann – und nur dann! – kann man die „Vorzeitige Restschuldbefreiung gemäß §3 Abs2 Inso“ beantragen.

Stichtag

Der Stichtag ist bei mir der 31.12.2017, da mein Verfahren am 31.12.2014 eröffnet wurde. Somit habe ich bereits im August 2017 beim VW eine Schätzung machen lassen, wo ich denn stehe. Siehe auch mein Beitrag http://insoblogger.de/2017/08/16/verkuerzung-auf-3-jahre-was-geht-wirklich/. Die Dame teilte mir seinerzeit mit, dass bei weiteren monatlichen Zahlungen, in selber Höhe, noch ein Restbetrag von etwa 234,- € zu zahlen sei, um die Quote zu erreichen.

Vorbereitung

Also habe ich Anfang Dezember nach dem konkreten Betrag gefragt und tatsächlich, es waren noch 234,80 € bis 31.12.2017 zu zahlen, dann ist die Quote erreicht. Noch während ich meine Sparbüchse leerte, erhielt ich einen Anruf, dass dies nicht nötig wäre, da soeben die Rückzahlung aus der Steuererklärung für 2016 eingegangen sei, damit ist die Quote erfüllt. Also konnte ich mich sofort daran machen, das notwendige Schreiben an das Insolvenzgericht zu verfassen. Aber:

  • Wie geht das?
  • Wann muss ich das eigentlich machen?
  • Was muss ich schreiben?
  • Welche Nachweise sind notwendig?

Es war mir verdammt wichtig, dass die obigen Fragen geklärt sind, denn ich wollte jetzt natürlich nicht das Risiko eines „Formfehlers“ eingehen und deshalb 2 weitere Jahre zahlen, wo ich doch die letzten 3 Jahre wie ein Irrer geackert habe, um dieses Ziel zu erreichen!

Die Beantwortung der Fragen war gar nicht so trivial, denn soviel Erfahrung hatte mein VW damit noch nicht, besser gesagt, es gab in seiner Kanzlei noch keinen einzigen Fall dieser Art. Also forsche ich selbst und glücklicherweise meine Beraterin auch, obwohl sie das nicht müsste! Warum nicht? Es ist schlicht nicht ihre Aufgabe, schlimmer noch, wenn dem Antrag stattgegegeben wird, verliert sie einen guten Zahler für die nächsten 2 Jahre! Erinnern wir uns, sie erhält für jeden gezahlten Cent von mir, einen gewissen Anteil…
Sie hat mir trotzdem geholfen, was aber, wie sich bei meinen Recherchen herausstellte, nicht selbstverständlich ist.

So geht’s!

Sollte jemand in diese Situation kommen, hier mein Weg (ich würde es nicht als „Musterweg“ bezeichnen, da die Situationen teilweise vielschichtig sind…):

  1. Es muss ein schriftlicher, fomloser Antrag beim zuständigen Insolvenzgericht gestellt werden.
    Meinen Antrag könnt ihr weiter unten lesen und ja, ihr könnt diesen natürlich auch als Vorlage verwenden. Passt aber die Zahlen und Fakten an! Ich habe diese als Beispielrechnung drin gelassen…
  2. Der Antrag wurde von mir am 14. Dezember 2017 gestellt (Stichtag bei mir 31.12.2017)
    Mein VW konnte mir auch final nicht genau sagen, ob auch der Antrag vor dem Stichtag erfolgen muss, er meinte am Ende, dass es wohl nur auf die Quote nach maximal 36 Monaten ankommt, der Antrag könne auch danach gestellt werden. Mir war es so einfach sicherer…!
  3. Der Wortlaut des Antrags lautet wie folgt (meine VW gab mir auch Tips, was alles drin zu stehen hat…):

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Antrag auf vorzeitige Restschuldbefreiung gemäß § 300 Abs. 2 InsO

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantrage ich – gemäß § 300 Abs. 2 InsO – die vorzeitige Erteilung der Restschuldbefreiung.

Zur Begründung:

Aus der Anlage 1 (Verteilungsverzeichnis vom 17.01.2017) geht hervor, dass Forderungen von 55.795,43 € zu berücksichtigen sind und bereits 10.511,00 € (Quote: 18,83846 %) an die Gläubiger ausgeschüttet wurden.

Gemäß Anlage 2 (Treuhandkontoübersicht vom 11.12.2017) besteht ein Guthaben von 9.674,75 €, wobei für das 1. Tätigkeitsjahr der Wohlverhaltensphase eine Treuhändervergütung von 523,15 € zu berücksichtigen ist. Bei Ausschüttung des Restbetrages von 9.151,60 € ergibt sich somit eine Quote von 35,24052 %.

Sämtliche finanzielle Mittel stammen aus dem pfändbaren Lohnanteil und einer Lohnsteuerrückerstattung.

Ich bestätige die Richtigkeit der oben gemachten Angaben.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift…

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Alles dabei?

Wie ihr seht, waren 2 Anlagen beizufügen, die mir mein VW zur Verfügung gestellt hat. Das Insolvenzgericht wird die Angaben natürlich beim VW prüfen! Damit der Antrag aber auch bearbeitet wird, sollten diese Nachweise vorab als Anlagen beigefügt werden. Bei mir also das „Verteilungsverzeichnis“ aus welchem die Gesamtsumme der Insolvenz, die Kosten des VW und die Verteilung der pfändbaren Einkünfte pro Gläubiger gelistet sind und ein „Auszug aus dem Treuhandkonto“, in welchem die Zahlungen konkret nachgewiesen sind. Beides kann Euch ausschließlich der VW zur Verfügung stellen. Auch der Satz „Ich bestätige die Richtigkeit…“, sollte nach Aussage meines VW mit rein.

Beispiel Verteilungsverzeichnis
Beispiel Verteilungsverzeichnis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beispiel Treuhandkonto
Beispiel Übersicht Treuhandkonto

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Antrag und die Anlagen noch zum Insolvenzgericht gebracht, dann heißt es warten und Daumen drücken.
Demnächst müsste dann veröffentlicht werden, dass ich den o.g. Antrag gestellt habe und alle Gläubiger haben anschließend genau 4 Wochen Zeit, dem zu widersprechen, sollten sie berechtigte Einwände dagegen haben. Sollte kein Einspruch erfolgen, müsste mir die Restschuldbefreiung erteilt werden.

Dann warten wir mal ab…!

 

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