Der zweite Termin beim Insolvenzanwalt…

Nachdem nun endlich alle Gläubiger auch Ihre Meinungen zum Vorschlag kundgetan hatten (die Fristen müssen hier eingehalten werden), stellte sich heraus, dass tatsächlich einige zugestimmt hatten. Aber die Mehrzahl, also die, welche die meisten Forderungen an mich hatten, lehnten natürlich dankend ab. Somit wurde ich zu Termin 2 geladen, der nur ein Ziel hatte: Fertigstellung des Antrags auf Eröffnung des Verbraucherinsolvenzverfahrens. Das ist genau der Punkt, wofür man nämlich zwingend einen zugelassenen Anwalt dieses Fachs braucht. Er muss den Einigungsversuch durchführen und genau diesen Antrag gegenzeichnen, damit ein Insolvenzgericht diesen akzeptiert. Eine Hürde die aus meiner Sicht zwei Seiten der Medaille hat:

  • Einerseits, ich brauch Geld, um diesen Anwalt zu bezahlen, was ich eigentlich schon lange nicht mehr habe! Der Betrag waren bei mir ca. 1.250,- €. Die Anzahl der Gläubiger, das verwertbare Eigentum und der Aufwand für die Erstellung der Unterlagen ist hier entscheidend! An den ersten beiden Fakten kann man nicht viel ändern, aber beim letzten Punkt heißt es durch da und alle Rechnungen, Mahnungen, gelbe Briefe, etc. aufmachen und sortieren! Wie ich das Geld dafür zusammenbekam?! Fragt mich nicht, ich glaub ich habe das Meiste beim Versteigern diversen Krimskrams zusammen bekommen und Ende wirklich die letzten Euros investiert. Ja, das kurz nach Weihnachten, eine finanzielle Heruasforderung, aber mit besserer Planung und etwas Hilfe kein Vergleich zum bisherigen Drama!
  • Andererseits führt er die Verhandlungen, die man selbst, meist aus Scham oder weil man eh schon nicht mehr ernst genommen wird, durch und das erspart einem eigentlich den unangenehmsten Teil dieses Verfahrens, die Konfrontation mit dem Gläubiger. Zudem behält er aus meiner Sicht sehr objektiv den Überblick und stellt teilweise tatsächlich noch die eine oder andere Forderung in Frage, was wiederum der Insolvenzsumme zugute kommt. Bei mir fand er bspw. heraus, dass ein Unternehmen Dienstleistungen doppelt berechnet hatte und das auch noch offiziell und schriftlich. Ein Anruf klärte die Sache und wieder waren es ein paar Euro weniger…

Also gut, die Unterlagen waren jetzt wirklich fertig und mit einem freundlichen Gruß verabschiedete ich mich von der Anwältin um nichts weniger zu tun, als sofort diesen Umschlag zum Amtsgericht zu bringen. Am 30.12.2014 war niemand mehr da, aber ich tat ihn in den Briefkasten und mit ihm eine Jahre alte Last. Danach musste ich eine kurze Pause auf ner Bank machen und hab echt ein paar Minuten geheult wie ein Schlosshund! Da lag meine ganze verkorkste Finanzkarriere in einem Umschlag und ich hatte es endlich vollbracht. Ich war einfach mega erleichtert und froh, mein Vorhaben umgesetzt zu haben, denn ich hatte es wirklich noch in 2014 geschafft! Ein bisschen Stolz war auch dabei…