Fristen verständlich erklärt…

Fristen sind bei Verfahren immer ganz wichtig. Bei einem Verbraucherinsolvenzverfahren umso wichtiger…
Die interessante Frage ist natürlich immer, wann fängt es genau an und wann bin ich fertig. Ich versuch es mal ganz einfach…

Die wichtigste Frist ist die der 6, 5 oder gar nur 3 Jahre bis zur Restschuldbefreiung, also dem Ende des gesamten Verfahrens. Diese Frist beginnt immer exakt mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens und endet im Idealfall mit der Restschuldbefreiung. Die Wohlverhaltensphase ist hier bereits enthalten!

3 Monate vor Eröffnung des Verfahrens -> Rückschlagsperre
Für den ein oder anderen dürfte auch die sog. „Rückschlagsperre“ interessant sein.
(>>> Wikipedia Seite dazu <<<)
Diese Sperre bedeutet ins Deutsche übersetzt, dass sämtliche gepfändete Beträge (im Amtsdeutsch „sichergestelltes Vermögen“) der letzten 3 Monate, vor Verfahrensbeginn an den Vermögensverwalter zurückfließen. Gab es also Lohn- oder Gehaltspfändungen, wird der Insolvenzverwalter diese Beträge beim Gläubiger zurückfordern und zur Masse als „Guthaben“ addieren. Deshalb wichtig, weil so bspw. die Verfahrenskosten (ggfs. anteilig) bereits gegenfinanziert werden könnten.

Eröffnung des Verfahrens
Der wichtigste Termin überhaupt! Von diesem Termin berechnen sich alle anderen Folgefristen, vor allem ist mit diesem Termin klar, wann das Verfahren endet. Nämlich gemäß den 3 genannten Fällen oben, also nach 3, 5 oder genau 6 Jahren. Ausschlaggebend ist hier tatsächlich das Datum der Verfahrenseröffnung. Ab jetzt heißt es „Durchhalten“ und wie ich finde, ein bisschen reflektieren und vor allem Lernen mit seinem Geld zurechtzukommen. Wieviel das sein wird? Kommt absolut auf die Situation an, aber eventuell mal >>> hier <<< oder >>> hier <<< schauen…

Schlusstermin
Der Schlusstermin stellt im prinzip das Ende der „Beweisaufnahme“ und den Ablauf der Einspruchsfristen für die Gläubiger dar. Diese mussten bis zu einem vom Insolvenzgericht festgelegten Termin, ihre Forderungen in Deiner (meist mit Hilfe des Anwalts) erstellten Gläubigerliste bestätigen oder im Zweifel korrigieren. Aufgrund der Veröffentlichung des Antrags auf Restschuldbefreiung, erhält ein Gläubiger hier keinerlei Erinnerung o.ä. Bei mir hatte das zur Folge (mein Anwalt meinte das wäre normal), dass einige Gläubiger gar keine Forderung mehr anmeldeten. An diesem Schlusstermin muss man im Regelfall nicht teilnehmen. Wird man seitens des Gerichts jedoch dazu aufgefordert, muss man hier erscheinen! Meist geht es dann um eine strittige oder dem Gericht unklare Forderung, zu welcher man hier Gelegenheit erhält sich zu äußern.
Die Dauer zwischen Eröffnung und Schlusstermin variiert stark und hängt vom Insolvenzgericht ab. Bei mir waren es satte 14 Monate. Wie bereits erläutert, hat dies aber keinen Einfluss auf die Dauer des gesamten Verfahrens bis zur Restschuldbefreiung.

Ankündigung der Restschuldbefreiung
Mit Beendigung des Schlusstermin wird durch das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung angekündigt. Es veröffentlicht also, dass Du jetzt in die Wohlverhaltensphase einsteigst. Bis zu diesem Ende steht man natürlich weiter unter Beobachtung und hat seine pfändbaren Einkünfte abzuführen. Nur der Dümmste versucht jetzt noch krumme Sachen. Dies könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass einer der Gläubiger berechtigte Einwände gegen die Restschuldbefreiung vorbringt und diese am Ende! nicht erteilt wird. Die Gründe während des laufenden Verfahrens sind >>> hier <<< klar geregelt und nach der Aufhebung (Beginn der Wohlverhaltensphase >>> hier <<<! Achtung, Anträge der Gläubiger können bis zu 6 Monate nach Erteilung der Restschuldbefreiung begründet eingereicht werden, wenn sie nachweislich erst später davon erfahren haben!

Erteilung der Restschuldbefreiung
Dies ist das Finale des gesamten Verfahrens.

3 Jahre
Sollte man es schaffen, innerhalb von 3 Jahren, 35% der gesamten Schulden an die Gläubiger zu tilgen + die Verfahrenskosten + Kosten des Insolvenzverwalters zu begleichen, kann man bereits nach 3 Jahren die Restschuldbefreiung erlangen. Das geht meist nur mit einem sehr guten Einkommen und hohen monatlichen Beträgen, die an die Gläubiger fließen. Man kann sich die notwendige Rückzahlungssumme >>> hier <<< grob ausrechnen. Alternativ könnt ihr Euch >>> hier <<< meine anonymisierte Abrechung ansehen…

siehe Update unten!

5 Jahre
Wenn man die Verfahrenskosten innerhalb des Verfahrens begleichen kann, wird man bereits nach 5 Jahren die Restschuldbefreiung erlangen können.

6 Jahre
Die längstmögliche Frist bis zur Restschuldbefreiung. Dies trifft meist zu, wenn es keinerlei pfändbare Einkünfte gibt (bspw. ALG II Empfänger) die Verfahrenskosten also gestundet werden und erst nach der Restschuldbefreiung anstehen…

Mindestens 3 Jahre nach Restschuldbefreiung
Der zugehörige Eintrag, dass eine Restschuldbefreiung vorliegt, bleibt mindestens 3 Jahre, nachdem die Restschuldbefreiung erteilt wurde in der Schufa-Auskunft stehen. Der Eintrag wird erst zum Ende des 3. Kalenderjahres entfernt. Also Restschuldbefreiung 21.01.2017 -> Der Eintrag wird frühestens am 31.12.2021 entfernt. Siehe auch >>> hier <<<…

Korrigiert, ab sofort offensichtlich taggenau 3 Jahre nach Erteilung der RSB, siehe mein Schufa Update >>> hier <<<!

UPDATE 20.09.2020:

Im Rahmen einer Gesetzesänderung gilt für alle Anträge die (Stand heute) ab dem 01.10.2020 eingereicht werden generell die 3 Jahres Frist, ohne Auflagen, auch für Privatschuldner!

https://www.infodienst-schuldnerberatung.de/verkuerzung-inso-drei-jahre/

Wer also bis jetzt (aufgrund der Verfahrensdauer) noch darüber nachgedacht hat, sollte spätestens JETZT alles revidieren und einen Anwalt, Steuerberater oder eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen, der Andrang dürfte groß werden… 😉